Lesefreundlich + crossmedial = Bibel?
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„Dem Volk auf’s Maul zu schauen“, empfahl Martin Luther allen, die wie er die Bibel ins Deutsche übersetzen wollen. Doch was 1521 ansprechend war, wirkt heute altbacken.
Weil Sprache sich verändert, muss die Bibel immer wieder aus den Urtexten übersetzt werden. Auch die traditionelle Übersetzung des Wittenberger Reformators soll noch im Herbst 2016 in einer überarbeiteten Luther-Bibel erscheinen. Letztmals war das 1984 der Fall gewesen.
In den letzten Jahren aber schon haben sich Übersetzer-Teams auf verschiedenen Wegen bemüht, Luther nachzueifern. Die „Volxbibel“, die als WIKI im Internet entstand, frönte dem Jugend-Slang. In traditioneller Sprache kam die ‚Zürcher Bibel‘ auch in ihrer Neuübersetzung von 2007 daher.

Online vernetzt

2016 Basisbibel2Ganz andere Wege geht die Basisbibel, die konsequent die Möglichkeiten nutzt, die mit neuen Medien einhergehen. Diese Übersetzung ist als crossmediales Werk konzipiert: Die Kurzerklärungen, die am Rande jeder Seite stehen, verweisen auf Internetadressen, unter denen weiterführende Lexikonartikel mit Bildmaterial und Landkarten eingestellt sind. In die Seitenangabe des gedruckten Buches ist eine Internet-Kurz-Adresse integriert. Wer will, tippt nur diese Adresse in den Webbrowser ein – schon öffnet sich die BasisBibel online an der entsprechenden Stelle.
Dass die Bibel ein wortreiches und seitenstarkes Buch ist, daran kann auch die Basisbibel nichts ändern. Aber mit prägnanten Sätzen und zeitgemäßem Deutsch wird sie den gewandelten Lesebedürfnissen gerecht – sie ist optimiert für das schnelle Lesen, das auch nur mal auf einen Ausschnitt fokussiert ist. Es gibt keine komplizierten Schachtelsätze.
Das spiegelt sich im Schriftbild, das locker und luftig daherkommt: Jede Zeile stellt eine Sinneinheit dar. So entsteht eine durchgehend rhythmische Sprache, die angenehm zu lesen ist – auch noch als Bettlektüre. Und welche Bibelübersetzung kann das schon von sich behaupten?

Design mehrfach ausgezeichnet

Und auch das ist für eine Bibelübersetzung ungewöhnlich: Ihr Design wurde mehrfach ausgezeichnet.
Die Basisbibel ist also rundum geeignet für Einsteiger. Es lohnt sich, sie zu verschenken an jugendliche Konfirmanden, Kircheneintrittswillige oder andere Erstleser. Ich habe sie selbst wiederholt weitergegeben – und verblüffte positive Rückmeldungen erhalten.
Nur ein Manko hat die Basisbibel noch: Bis 2019 kommt sie ohne das Alte Testament daher. Denn auch Luther wusste: Dem Volk auf’s Maul zu schauen, braucht Zeit. Der einzige Trost ist, dass alle Teile der Bibel, die vorher übersetzt werden, schon vorab online stehen!
Eine anregende Lektüre online oder analog wünscht Ihnen
Stefan Heinemann

Fotos: basisbibel.de / dbg.de