Volle Kirchen?! Eine Stellungnahme.
Niko Herzner (Foto: Christoph Hack)

In den Medien wurde gestern (23. April) bekannt, dass die NRW-Landesregierung ab dem 1. Mai wieder Gottesdienste mit Teilnehmern vor Ort erlaubt. Dazu möchte ich als Vorsitzender des Presbyteriums Stellung nehmen.

Die Meldung über eine Lockerung der Vorgaben für Gottesdienste weckt verständlicher Weise auch in unserer Gemeinde die Frage, ob wir nun bald wieder zusammenkommen können. Auch das Pfarrteam und das Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Hennef sehnen sich danach, gemeinsame Gottesdienste in der Christuskirche zu feiern.
Wie die Rahmenbedingungen für sogenannte Präsenz-Gottesdienste künftig sein können, wird gemäß den Absprachen zwischen Kirchen, Religionsgemeinschaften und der Politik am 30. April Gegenstand der Beratungen mit der Bundeskanzlerin sein. Bis dahin finden Beratungen und Gespräche mit den verschiedenen staatlichen und kirchlichen Ebenen statt. Auch das Robert-Koch-Institut ist beteiligt.

Nun scheint es bei den ersten Gesprächen mit der Landesregierung Beteiligte gegeben zu haben, die abweichend von diesem Verfahren Druck in Richtung einer schnelleren Entscheidung gemacht haben. Dazu sei gesagt, dass die evangelische Kirche immer dem Schutz der Gesundheit und des Lebens aus Gründen der Nächstenliebe den Vorrang gegeben hat und sich einem wohl abwägenden Weg unter Beteiligung der wissenschaftlichen Expertise des RKI angeschlossen hat. Unsere Kirche hat das Ziel, sobald wie verantwortbar möglich wieder Präsenz-Gottesdienste zu feiern – aber nicht um jeden Preis.

In dieser abwägenden Linie sehen wir uns auch als Kirchengemeinde, weshalb uns die vorgezogene Entscheidung einiger Vertreter irritiert. Die Vereinbarung in unserem Presbyterium besteht darin, die Beratungsergebnisse am 30. April abzuwarten. Je nach Ergebnis wird das Presbyterium in der Sitzung am 07. Mai entscheiden, ob in der Christuskirche Bedingungen möglich sind, unter denen Präsenz-Gottesdienste verantwortbar gefeiert werden können. Dazu gibt es bereits Entwürfe für ein Schutzkonzept. In diesen Entwürfen wird deutlich, dass die in den Medien genutzte Formulierung „Eine Begrenzung der Anzahl der Teilnehmer gibt es dabei nicht“ keinesfalls den Weg zu vollen Kirchen bahnt. Vielmehr wird es nach aktuellem Stand maßgeblich abhängig von Kirchraum und weiteren Bedingungen sein, welche Zahl an Gottesdienstteilnehmenden vor Ort möglich wird.

Davon abgesehen gilt auch weiterhin: Wer selber zu einer Risikogruppe gehört oder wer sich nicht in höchstem Maße sicher ist, ansteckungsfrei zu sein sollte keinen Präsenz-Gottesdienst besuchen. Weder für den Fall, dass wir wieder in die Christuskirche einladen, noch an irgendeinem anderen Ort. Schützen Sie sich und andere!
Präsenz-Gottesdienste sind schön und wichtig, aber Gottes Wort gilt auch auf allen anderen Wegen der Verkündigung, und sein Heil ist bei uns, egal wo wir sind. Zu den Vorbereitungen unserer Gemeinde gehört aber auch der Aufbau einer Technik zur Liveübertragung von Gottesdiensten, damit unsere Gottesdienste ortsunabhängig mitgefeiert werden können.

Deshalb bitte ich Sie, liebe Gemeinde:
Bewahren Sie auch nach den aktuellen Nachrichten Geduld. Das Presbyterium wird sich an den vereinbarten Zeitplan halten und Anfang Mai gründlich abwägen. Sollten dann Präsenz-Gottesdienste in der Christuskirche verantwortbar sein, werden wir über die Rahmenbedingungen informieren.
Bis dahin nutzen Sie die vielfältigen Möglichkeiten, die wir in den letzten Wochen für sie entwickelt haben: Die Videogrüße, geistlichen Spaziergänge, Telefonbesuchsdienste, die offene Kirche und einiges mehr. Auch alles das ist Gottesdienst, weckt Mut und stärkt uns in Glauben und Vertrauen.

Und nachdem ich eben auf die Aussagen der Medien geschaut habe, noch ein kleiner Gedanke zum Schluss: In den Radionachrichten hieß es heute wortwörtlich „Ab 1. Mai dürfen in NRW wieder Gottesdienste mit Gläubigen gefeiert werden.“ (WDR2 am 24.04.2020, 9.00 Uhr). In unserer Gemeinde wird es erst später soweit sein – wann, das werden wir sehen. Aber wenn es soweit ist, dann sind auch Ungläubige ganz herzlich eingeladen! Schließlich lautet unsere Jahreslosung: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Mit lieben Grüßen und den besten Segenswünschen,
Pfr. Niko Herzner, Vorsitzender des Presbyteriums.