Jesus sitzt zu Tisch. Er hat oft mit den Menschen gegessen. Er ist in Bethanien im Haus von Simon.
Simon wird „der Aussätzige“ genannt, vermutlich war er früher an Aussatz erkrankt und wurde von Jesus geheilt.
Und dieser Jesus, der Simon das Leben zurück geschenkt hat, ein Leben in Gemeinschaft, im Haus, im Dorf, in Verbundenheit – dieser Jesus ist heute bei Simon zu Gast.
Er sitzt mit am Tisch und Simon ist es, der Jesus etwas geben kann, frisches Wasser und Speisen, ein Krug Wein, duftendes Brot – Nahrung und Erholung.

Jesus hält seine Hände auf und empfängt.
Tägliches Brot.

Unser Leben ist ein Nehmen und Geben. Immer wieder werden uns die Hände gefüllt von Gott, von unseren Mitmenschen, von der Schöpfung, von Kunst und Musik, von Stille und Schlaf, von Ordnung und Strukturen um uns herum.
Jesus hat Simons Hände gefüllt. Simon füllt die Hände von Jesus.

Wer hat Ihre Hände gefüllt?
Wer gibt Ihnen das Lebensnotwendige an Beziehung und Gemeinschaft, an Nahrung und Körperpflege, an Schönheit und Erholung? Wo können Sie sich erquicken an Leib und Seele?
Und wem geben Sie von Ihren Gaben ab?
Manche von Ihnen haben im KonfirmandInnenunterricht Luthers Kleinen Katechismus auswendig gelernt.

Da heißt es: Was heißt denn tägliches Brot?
Alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.

Wenn ich diese Aufzählung höre, was in Luthers Zeiten alles als „Segen Gottes“ gesehen wurde – dann fühle ich mich unendlich reich beschenkt. Wie viele Schuhe habe ich im Schrank und wie lange lebe ich schon sicher und in Frieden, wie viele gute Ordnung und freundliche Menschen helfen mir zum Leben? Die Geschäfte sind voll, egal bei welchem Wetter und um Acker und Vieh muss ich mich gar nicht kümmern.
So reich gefüllte Hände! Danke Gott, für unser tägliches Brot.

Jesus sitzt bei Simon zu Tisch. Jesus hat oft mit den Menschen zusammen gegessen. Er isst und trinkt.
Und dann kommt eine Frau zerbricht ein kleines Ölgefäß und gießt das Öl über Jesu Kopf. Das Öl verströmt einen herben Duft.

Und Jesus wendet sein Gesicht nach oben und empfängt.
Segen, Salbung.

Im Alten Israel wurden die Könige gesalbt. Das Salböl wurde ihnen über den Kopf gegossen als Zeichenhandlung. „Auf dir liegt Gottes Geist. Du gehörst zu Gott, durch Dich wirkt Gott Frieden und Gerechtigkeit. Gesalbter, das heißt auf Hebräisch Messias, auf Griechisch Christos.
Die Frau in Simons Haus sagt kein Wort, mit ihrer Handlung drückt sie viel mehr aus, als Worte fassen können: Du, Jesus, bist der Gesalbte Gottes, auf Dir liegt Gottes Geist – komme, was da wolle.

Solch eine Handlung haben auch Ihre Eltern angestoßen, als diese Sie als Babys/ Kleinkinder zur Taufe gebracht haben.
Damals wurden Sie getauft und mit dieser Handlung ist mehr passiert, als Worte fassen können: „Du gehörst zu Gott – komme, was da wolle. Gott geht mit Dir durch Dein Leben.“
Und 13/14 Jahre später, bei Ihrer Konfirmation, haben Sie sich diesen Segen erneut zusprechen lassen – aus welchen Gründen auch immer. Damals war die Kindheit abgeschlossen. Vor Ihnen lag „erwachsen werden, höhere Schule, einen Beruf lernen, sich verlieben, selbständig werden …“
Ungewissheit und Risiken, Träume und Hoffnungen, Gelingen und Scheitern lagen vor Ihnen und segnende Hände auf Ihrem Kopf: „Du gehörst zu Gott – komme, was da wolle.“
Wir dürfen uns das gesagt sein lassen, immer wieder, auch heute:

Die Hände aufhalten, das Gesicht nach oben wenden, bereit sein zu empfangen.

Das Leben ist voller Segen.
Und das Leben ist nicht immer leicht.
Heute, am Palmsonntag fängt die Karwoche an und wir denken an den Leidensweg, den Jesus gegangen ist.
Gott teilt unsere Erfahrungen von Schwäche und Angst, Ohnmacht und Ungewissheit.
Und gleichzeitig hat Gott die Macht, Dinge zum Guten zu wenden, überraschende Lösungen zu schaffen, Neues zu offenbaren, Altes zu verwandeln – alles neu zu machen!

Jesus weiß, dass sein Begräbnis bevorsteht. Er verschließt die Augen nicht vor dem, was kommt.
Er lobt das Handeln dieser Frau: sie hat ein Gutes Werk getan.
Sie hat mehr getan, als Worte fassen können. Ihre Zusage berührt den Leib, geht unter die Haut.
Sie erinnert Jesus: „Du gehörst zu Gott – komme, was da wolle. In Dir fließt Gottes Geist.“

Halte deine Hände auf, wende Dein Gesicht Gottes leuchtendem Angesicht zu.
Vertraue darauf, dass Gott zu Dir gehört, dass Gott Deine Hände füllt mit dem, was not tut.
Das Leben ist nicht immer leicht und wir leben immer in der Verbundenheit mit Gott.
Am Ende lacht uns der Ostermorgen ins Gesicht. Amen.

Diese Predigt hielt Pfarrerin Antje Bertenrath am Palmsonntag 2026 im Gottesdienst zur Goldkonfirmation.