Kochen in Gemeinschaft
Seit dem Winter 1998/99 finden in unserer Kirchengemeinde regelmäßig Trauergruppen statt.
Immer in der Zeit von Advent bis Karneval treffen sich Personen zu rund acht Abenden in Gemeinderäumen, um sich in dieser dunklen Jahreszeit, mit Feiertagen und Jahreswechsel gegenseitig zu begleiten.
Pfarrerin Antje Bertenrath leitet die Gruppenabende und so sind im Laufe von über 25 Jahren viele Menschen in Trauersituationen zusammengebracht worden. Bei dem letzten Treffen der jeweiligen Trauergruppen wird immer gemeinsam ein Essen zubereitet und festlich getafelt.
So ist dann 2011 die Idee entstanden, sich weiterhin zum Kochen in Gemeinschaft zu treffen.
Der Startschuss fiel im Jahr 2012, drei Frauen waren bereit, das „Kochen für Trauernde“ in die Hand zu nehmen. Es wurden sechs Termine pro Jahr festgelegt und die Teilnehmenden der Trauergruppen der letzten Jahre wurden von Doris Maaß, Erika Novatscheck und Waltraud Brüggemann angeschrieben:
„Wir sind gespannt, ob und wie die Abende genutzt werden. Wir werden es uns jedenfalls schmecken lassen und freuen uns auf Gespräche und Begegnungen, Anregungen und Mitkochende.“
Viele sind gekommen und bis heute laden zwei der drei Leiterinnen regelmäßig zu den Kochtreffen ein (die dritte ist aus Hennef weggezogen) und es finden immer wieder neue Menschen in diese Gruppe.
Liebevolle Vorbereitung gehört bei jedem Treffen dazu.
Die Leiterinnen Erika und Waltraud suchen ein Menu aus, stellen eine Zutatenliste zusammen, kaufen ein – möglichst frisch und nachhaltig. (Die Kosten werden auf die Teilnehmenden umgelegt und liegen zwischen 5 und 10 €). Zu den Treffen werden dann noch Küchengeräte, Bräter und Töpfe mit ins Kinder-und Jugendhaus gebracht, weil dort nicht alles vorhanden ist, was so gebraucht wird beim Kochen und Braten, Backen und Schmoren, Pürieren und Seihen. Dafür bietet das „klecks“ viel Arbeitsfläche, an der bis zu 14 Personen gleichzeitig tätig werden können: die große Küche und der abgedeckte Billardtisch sind ideal zum Schnibbeln und Putzen, Mengen und Kneten, Rühren und Portionieren. Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch werden in kleinen Teams kreiert, manche Teilnehmende decken den Tisch, dekorieren die Mitte, nutzen die Zeit für Gespräche.
Austausch ist wichtig.
Die meisten Personen, die an den Trauergruppen teilnehmen, betrauern den Tod eines Menschen aus dem engsten Familienkreis: PartnerIn oder Kind, Großmutter oder Geschwister. Bei manchen sind die Verluste noch ganz frisch, bei anderen liegen die Todesfälle schon Jahre zurück. Alle machen die Erfahrung: es hilft zu reden und zu hören. Der Schmerz wird in Worte gefasst, andere kennen auch diese Wut, diese Ohnmacht und keineR ist mit all den widerstreitenden Gefühlen allein. Es erleichtert, anderen Menschen zu begegnen, die verstehen und die mit ihrer Trauer auf ihre je eigene Weise umgehen. Es gibt keine „Patentrezepte“, alle sind miteinander unterwegs, mit ihren Fragen und Zweifeln, Trosterfahrungen und Hoffnungen.
Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen!
Mit dem Genießen des zubereiteten Menus tun sich die Teilnehmenden Gutes und sorgen für sich selber, sie werden genährt und können Kraft schöpfen. Auch das Miteinander nährt und stärkt die Hoffnung. Und Gott ist immer mit im Raum.
Gott hält unsere Verzweiflung aus und führt uns zusammen.
Gott sendet Engel, die uns bewirten und überraschen mit einer köstlichen Mahlzeit und spricht:
„Steh auf und iss, denn du hast einen weiten Weg vor dir.“
So wie Elia das im 1. Buch der Könige 19,5-7 erlebt, passiert das bis heute.
Die nächsten Treffen von Kochen in Gemeinschaft finden am 21. Januar und am 11. März jeweils in der Zeit von 11.00 – 14.00 Uhr im Kinder-und Jugendhaus „klecks“ statt.
Anmeldung jeweils bis zum Freitag vorher bei waltraud.brueggemann@freenet.de Tel. 918 08 35 oder erika@novatscheck.de.
Text und Foto: Antje Bertenrath
