Was auf der Landessynode 2020 geschah
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„Und hatten Sie ein erbauliches Kirchenseminar?“ Mit diesen Worten wurde ich am 16. Januar nach der diesjährigen Landessynode in Bad Neuenahr, bei meiner Rückkehr zu meiner Arbeitsstelle begrüßt. Kirchenseminar? War die 73. Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland gemeint?
Ja, gemeint war genau diese Landessynode. Hatte ich mich doch letzten Freitag im Büro von dieser Kollegin mit dem Hinweis „Nächste Woche bin ich bis Donnerstag auf der Landessynode!“ verabschiedet. Da wahr-scheinlich nicht nur meiner Kollegin Hintergrundwissen zu diesem „Kirchenseminar“ fehlt, starte ich meinen Bericht mit ein paar Basics.

Die Landessynode ist das Kirchenparlament unserer Landeskirche. Sie besteht aus rund 200 Mitgliedern, sogenannten Synodalen. Die meisten sind von den jeweiligen Kreissynoden gewählt. Hinzukommen alle kreiskirchlichen Superintendenten und einige von der Landeskirchenleitung berufene Mitglieder.
Der Arbeitsmodus ist ziemlich speziell: eine Woche Klausurtagung in Bad Neuenahr. Nach dem gemeinsamen Gottesdienst wird zunächst im Plenum gestartet und nach ein, zwei Tagen geht es in die Ausschussarbeit. Die Tagesordnung für die fünf Tage ist mit über 30 Themen gut gefüllt und auch die Arbeitstage in der Synodalwoche von 9:00 Uhr bis nicht selten 22:00 Uhr fordern viel Kondition. Die Lan-dessynode beschäftigt sich mit grundsätzlichen strategischen Themen. Sie wählt die Kirchenleitung, beschließt den Haushalt sowie große Projekte und entscheidet über Gesetzes-vorlagen.

Synode stand im Zeichen der Diakonie
Die diesjährige Landessynode sollte ganz im Zeichen der Diakonie stehen. Aber auch ein paar andere Themen drängten nach vorne und wurden von den Landessynodalen intensiv diskutiert und beraten.
In das Thema Diakonie führte Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, ein. Er analysierte das Verhältnis von Diakonie und Kirche aus einer geschichtlichen und konzepti-onellen Perspektive. Lilie forderte mehr selbstverständliche Kooperation zwischen Diakonie und Kirche. Zugleich betonte er den Bedeu-tungszuwachs des Sozialraums für die diakonische Arbeit. Gerade aus dieser Entwicklung heraus bieten sich für die Zukunft neue Chancen des unverkrampften Zusammenwirkens. Die Beziehung von Kirche und Diakonie stand auch im Mittelpunkt der Beratungen. Unter vielen erörterten Definitionen von Kirche und Diakonie inspirierte mich am meisten der Begriff der „Diakonischen Kirche“. Kirche kann nicht nicht Diakonie sein und Diakonie kann nicht nicht Kirche sein. … Mehr …

Kirchenleitung gestand Fehler ein
Deutlich pragmatischer waren die Beratungen zu einer schwierig verlaufenden Software-Einführung. Die Kirchenleitung um Präses Manfred Rekowski räumte Fehler ein und wurde intensiv kritisch hinterfragt, wie sie das Projekt zukünftig managen wolle. Die Synode beschloss Gegenmaßnahmen und einen Weg zur Optimierung des landeskirchlichen Projektmanagements. … Mehr …

Mehr Schutz vor sexualisierter Gewalt
Wer in kirchlichen Einrichtungen arbeitet, muss künftig zu Beginn und dann alle fünf Jahre ein erweitertes polizeiliches Führungs-zeugnis vorlegen. Dies betrifft in unserer Ge-meinde insbesondere die Mitarbeitenden der Kindertagesstätte sowie der Kinder- und Jugendarbeit. Alle ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter*innen in Kirche und Diakonie werden einer Meldepflicht unterliegen, wenn sie sexualisierte Gewalt bemerken. Vorbeugend müssen alle Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen Schutzkonzepte zur Verhinderung von sexualisierter Gewalt erstellen. … Mehr …

Weitere Schwerpunktthemen waren die Neukonzeptionierung der ökumenischen Arbeit in unserer Landeskirche sowie ihre Organisationsstruktur, die öffentliche Forderung nach einer Kindergrundsicherung sowie Aktionen der Evangelischen Kirche zur Flüchtlingsproblematik an den den EU-Außengrenzen. Alle Verhandlungsgegenstände der 73. Landessynode können online (landessynode.ekir.de) eingesehen werden.
Last but not least: Almut van Niekerk, Superintendentin unseres Kirchenkreises, wurde übrigens in die Kirchenleitung der Landeskirche gewählt. … Mehr …

Persönliches Fazit nach vier Jahren
2016 wurde ich von der Kreissynode des Kirchenkreises ,An Sieg und Rhein‘ in die Landessynode entsandt. In diesem Jahr endet mein Mandat und aus beruflichen Gründen werde ich für die nächste vierjährige Wahlperiode nicht kandidieren. Es war höchst interessant und eine Ehre, die großen kirchenpoliti-schen Themen unserer Landeskirche mit beraten zu dürfen. Ich habe viel gelernt, auch über den sogenannten „synodalen Weg“. Wie man in einem zeitlichen begrenzten Verfahren, im Wechselspiel zwischen Ausschussarbeit und Plenarberatungen zu möglichst einstimmigen oder einmütigen Beschlüssen kommt, kann man in den im Übrigen in weiten Teilen öffentlichen Synodensitzungen eindrucksvoll beobachten. Ich danke für diese Erfahrung und hoffe, dass meine Arbeit in der Landessynode segensreich war.

Text: Jörg J. Schmitz