Von unerwarteten Kindern und anderen Planänderungen
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Liebe Weihnachtsgemeinde,

Viele von Ihnen haben sicher eigene Kinder. Vielleicht ja auch schon Enkel oder gar Urenkel. Und bestimmt war die Nachricht darüber, dass weiterer Familiennachwuchs unterwegs ist eine frohe Botschaft für Sie.

So wie für meine Großeltern, über welche in diesem Jahr ein wahrer Urenkelregen hereingebrochen ist. Vier neue Urenkel innerhalb von acht Monaten! Über jedes dieser Kinder haben sich die beiden sehr gefreut, aber eines davon war eine ganz besondere Überraschung. War dieser kleine Knabe doch völlig unerwartet und ungeplant. Und für meine Cousine zunächst ein großer Schock. Ein Kind. Das passte nun so gar nicht in ihren Lebensentwurf. Nicht jetzt. Mit 19, ohne Mann und mitten in der Ausbildung. Wie sollte das gehen???

Ja, der kleine Leo stellte das Leben seiner Mutter und auch das seiner Großeltern ganz schön auf den Kopf. Da waren so viele Fragen und Unklarheiten. Ja und natürlich auch Ängste und Ratlosigkeit.

War sie dieser Verantwortung überhaupt gewachsen? Wie sollte es mit der Ausbildung weitergehen? Klar, ihre Eltern würden sie unterstützen, aber würde das reichen? Und war das überhaupt das Leben, was sie künftig führen wollte?

Vermutlich wäre sie am liebsten einfach davon gelaufen. So wie Josef, von dem wir eben gehört haben. Auch er spielte mit dem Gedanken Maria zu verlassen und sich heimlich aus dem Staub zu machen. Aus Angst um ihr Leben, vielleicht aber auch ein bisschen aus Angst vor der eigenen Courage und dem, was ihn erwarten würde, wenn er bliebe. Er liebte Maria, ja. Hochzeit nicht ausgeschlossen. Aber ein Kind? Darüber hatten sie vermutlich noch gar nicht nachgedacht und wenn, dann doch überhaupt erst nach der Hochzeit.

Doch wie heißt es so schön: „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, dann erzähle ihm von Deinen Plänen.“ Gott wollte dieses Kind. Und er wollte Josef nicht einfach ziehen lassen, sonder er wollte, dass er sich gemeinsam mit Maria um den Jungen kümmern würde, welcher da in ihrem Bauch heran wuchs.

Wie Josef sich nach seiner, im wahrsten Sinne des Wortes, „traumhaften“ Begegnung mit dem Engel gefühlt haben muss, können wir vermutlich nicht einmal erahnen. Auch wissen wir nicht, ob es ihm passte, was er da gesagt bekommen hatte und ob es ihm schwer fiel seine Entscheidung noch einmal neu zu überdenken. Was wir aber wissen, und letztlich ist dies auch das Einzige was zählt: Josef vertraute auf Gott. Er akzeptierte, dass dieser seine eigenen Pläne durchkreuzte und nahm die Herausforderung an. Er vertraut fest darauf, dass Gott es gut machen wird.

Auch meine Cousine hat es geschafft, sich der neuen Situation zu stellen und darauf zu vertrauen, dass sich die Dinge finden werden. Und das war gut so! Für meine Großeltern nämlich, war dieses kleine Wesen, ohne es zu wissen, die große Rettung.

Gerade einmal acht Wochen vor seiner Geburt hatten sie ihre jüngste Tochter im Alter von 52 Jahren beerdigen müssen und befanden sich seither in einem tiefen Loch. Alles was sie empfanden war Trauer, Leere und Schmerz. Und da mittenhinein platzte nun dieser kleine Junge und forderte von ihnen Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe. Plötzlich gab es wieder etwas zu tun. Alles hatte wieder einen Sinn. Leo zeigte seinen Urgroßeltern, dass das Leben weitergeht.

Ein ungeplantes Kind als Retter.

Ein Kind, mit dem niemand rechnete, welches von Gott aber unbedingt gewollt war und mit welchem er längst seine Pläne gemacht hatte.

Ja, Gott macht seine Pläne und fragt nicht danach, ob uns das alles immer so passt.

Auch Maria und Josef wurden nicht danach gefragt. Gott hatte sie sich als Eltern für seinen Sohn ausgesucht und er stellte sie vor vollendete Tatsachen. Alles was die beiden tun konnten, war darauf zu vertrauen, dass Gott ihnen in dem beistehen würde, was ihnen bevorstand. Das er ihre Geschicke lenken würde.

Wie wäre die Geschichte wohl ausgegangen, wenn Josef dieses Vertrauen nicht gewagt hätte? Wenn er sein erstes Vorhaben in die Tat umgesetzt und Maria heimlich verlassen hätte? Wie wäre es ihm ergangen? Hätte er in dem Wissen leben können, eine schwangere Frau allein gelassen zu haben? Hätte er sich oft gefragt, wie es den beiden wohl geht? Hätte er ein unbeschwertes Leben führen können, oder hätten ihn die vielen Fragen und vielleicht auch das schlechte Gewissen zerfressen?

Wir wissen es nicht. Denn „Gott sei Dank!“ hat Josef es gewagt zu vertrauen und sich auf das Leben, was nun so ganz anderes verlief als gedacht, eingelassen.

Das kennen wir auch, oder? Das die Dinge ganz anderes laufen, als gedacht.

Wo hat Gott in diesem Jahr Ihre Pläne über den Haufen geworfen? Vielleicht mit positiven, freudigen Überraschungen, vielleicht aber auch mit traurigen, gar erschütternden Ereignissen.

Wo wurde Ihr Vertrauen in Gott auf die Probe gestellt?

Nicht alles ist uns in diesem Jahr gelungen. Vieles ist noch unfertig. Nicht mit allem sind wir zufrieden, so wie es ist.

Doch ganz gleich, mit welchen Gedanken und Gefühlen wir jetzt hier sitzen. Ganz egal, ob Freude oder Traurigkeit unser Herz erfüllen. Heute, an Weihnachten platzt dieses Kind nun auch in unser Leben. In unsere Geschäftigkeit. In unsere durchkreuzten Pläne. In alles Gelungene und Bruchstückhafte.

Vielleicht kommt Weihnachten uns mal wieder „ungelegen“. Vielleicht sind wir noch gefangen in unserer ganz eigenen Welt. Im Stress der letzten Tage. In unseren großen und kleinen alltäglichen Krisen und Katastrophen. Und vielleicht können wir uns gar nicht vorstellen, dass Gott in all diesem Durcheinander überhaupt noch einen Platz finden kann und will.

Doch Gott ist das alles ganz egal.

Gott kommt. Als Kind. Geboren in einem Stall. Inmitten allergrößtem Trubels und Durcheinander. Das ist alles andere als perfekt. Gott braucht es nicht perfekt. Alles was er braucht, sind Menschen, die sich auf ihn einlassen. Sich für ihn Zeit nehmen. Ihm ihre Herzen öffnen.

Wir müssen nicht perfekt sein. Nicht bis ins kleinste Detail fertig mit unseren Fesstagsvorbereitungen. Nicht fertig mit all unseren Fragen und Zweifeln. Nicht vollends zufrieden mit allem, was wir in diesem Jahr getan und gelassen haben.

Lassen wir das vergangene Jahr sein. Schließen wir es ab. Machen wir unseren Frieden damit. Und diesen Frieden bringt uns Gott. Heute fängt er mit uns wieder neu an. Ganz von vorne. Als kleines Baby, das uns sagen will: Es geht weiter. Fass wieder neuen Mut und blick nach vorn. Lass Stress, Sorgen und Zweifel nicht die Oberhand in Deinem Leben gewinnen. Schau auf mich und nimm Dir Zeit für mich. Denn ich will bei Dir sein und Dich immer begleiten, was auch immer kommen mag.

Wir wissen nicht, was uns erwartet. Was Gott als nächstes mit uns vor hat. Vielleicht passt es uns mal wieder nicht in den Kram. Das mag sein. Wir können aber sicher sein, dass Gott es in allem gut mit uns meint und dass er uns auch in allem Schweren zur Seite steht. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gottes Pläne die besseren sind und wir dürfen dem Frieden trauen, den er uns heute bringen will.

Vielleicht würden wir am liebsten vor Weihnachten weglaufen, doch Gott lädt uns ein zu bleiben. Wagen wir es? Heute Abend haben wir wieder neu die Chance dazu.

Predigt zu Mt 1,18ff.

Gehalten am 24.12.16 von Jenny Gechert