Schlagkräftig & hammerhart
Jörg Schmitz

Hammerschlag 11 Uhr ging‘s los. Bis dahin war die Kirchentür der Christuskirche „wegen Reformierung“ geschlossen, wie ein Baustellenschild klar mitteilte. Auch für zufällige Passanten wurde angesichts der wartenden Menschenmenge sichtbar: Dieser 31. Oktober 2017 ist besonders.
Mit 95 Hammerschlägen an die metallene Kirchentür – Symbol für Luthers Thesen – öffnete dann die renommierte Lutherexpertin Prof. Dr. Athina Lexutt die Pforten und den Gottesdienst zum 500. Reformationsjubiläum. Für über 400 Gottesdienstbesucher reichte der Platz kaum aus. Das sei „der Hammer“, begrüßte Lexutt und leitete über geschickt zum Anlass dieses „Geburtstagsfestes“. Schon das erste Lied „Am Anfang war das Wort“, entnommen dem Pop-Oratorium ‚Luther‘, verwies auf das Fundament des christlichen Glauben: Jesus Christus.

Reformation = Baumaßnahme?
Lexutt unterschied in ihrer Predigt zwischen sichtbarer Kirche und innerer Kirche und sah Parallelen zu häuslichen Renovierungsmaßnahmen, bei der Wände und Böden aufgefrischt, aber doch nie das Fundament entfernt wird. So auch der gefeierte Reformator vor 500 Jahren: Martin Luther wollte die Kirche nicht spalten oder vernichten, so Lexutt, sondern ihr Fundament wieder freilegen, das durch machthaberisches Denken der Kirchenfürsten verbaut worden war. Deshalb sei es bis heute wichtig, „Flagge“ zu zeigen – auch gegen äußere Widerstände.
Die Buntheit der äußeren Christuskirche zeigte die Theologieprofessorin in einem selbstgedrehten Filmclip: Szenen von Gottesdienstbesuchern, Kirchenstühlen und dem goldenen Lamm am Jerusalemleuchter, das Flagge zeigt.

Was bedeutet Dir Kirche?
Was aber bedeutet Dir Kirche? Diese Frage Lexutts beantwortete Pfarrerin Antje Bertenrath. Ein Ort der Ruhe sei die Kirche, so Bertenrath, ein Ort auch, um Gott zu begegnen. Sie und das Küsterehepaar Andreas und Galina Mehl blickten an diesem Tag auf 20 Dienstjahre in der Kirchengemeinde zurück. Unter großer Anteilnahme der Gemeinde wurde ihnen im Jubiläumsgottesdienst ein besonderer Dank und Segen zugesprochen.
Musikalisch durchzogen neue und alte Kirchenlieder den Festgottesdienst – natürlich auch das bekannteste aller Lutherlieder „Ein feste Burg“. Zum ersten Mal trat das O-Ton-Ensemble auf: Eine sechsköpfige Gesangsgruppe der Pfarrer und Prediger der Hennefer Kirchengemeinde. Ob im Wechselgesang mit der Gemeinde oder a-capella überzeugte ihr Gesang.

3.500 Besucher beim Reformationsfest
Im Anschluss hatte das Presbyterium eingeladen zu einem Empfang, bei dem Bürgermeister Klaus Pipke sowie die katholischen Ortspfarrer sprachen. Um 14:15 Uhr brachte ein gemieteter Linienbus über 100 Gemeindeglieder zum zentralen Festakt des Kirchenkreises ‚An Sieg und Rhein‘ in Sankt Augustin. Aus den 33 evangelischen Gemeinden der Region trafen sich dort 3.500 Besucher auf dem Gelände der Steyler Missionare. Die Feierlichkeiten eröffnete Superintendentin Almut van Niekerk mit einer Andacht unter dem Motto ‚Türen aufmachen‘, die 50 Bläser und über 500 Chorsänger mitgestalteten.
„Wow!“ – treffender als Athina Lexutt am Ende des Festgottesdienstes kann man nicht bezeichnen, was 500 Jahre Reformation und die Lehren von Martin Luther bedeuten.

Bianka Arndt