Reformation in St. Augustin
privat

Etwas angestaubt, mit vielen Traditionen beladen und schwerfällig – so nimmt mancher Jugendliche mit Ausnahme des Jugendtreffs Kirche oftmals wahr. Eine andere Welt, in die man punktuell eintaucht, aber dann auch wieder ins „normale Leben“ zurückkehrt.
Ab und zu gibt es mal coole Einzelpersonen, denen man in dieser Kirche begegnet oder aber man nimmt an einer Aktion teil, die einen bewegt. Aber damit die Gemeinde auch zur Gemeinde der Jugendlichen wird, muss mehr passieren.

Es muss vieles von dem passieren, was die Menschen auch vor 500 Jahren fasziniert hat. Dies wurde in einem Jugendgottesdienst in Sankt Augustin mit dem Titel „Wir sind Kirche!“ deutlich. Drei Jugendliche hatten die Impulse vorbereitet und sich Gedanken dazu gemacht, was die Gemeinde zu ihrer Kirche macht. Und es sind Grunderkenntnisse der Reformation gewesen:

Kirche von unten! – Jugendliche wollen mitbestimmen und Kirche gestalten. In Gottesdiensten, im Jugendausschuss (und Presbyterium), im Leben der Gemeinde. Gerade Jugendliche haben ein sehr gutes Gespür dafür, ob der Gang der Dinge in einer Kirchengemeinde von einigen wenigen oder von möglichst vielen jeden Alters geprägt wird. Dies entscheidet dann auch über ihr Engagement.

Glaubensgemeinschaft! – Glaube kann nicht gelernt werden, sondern muss erfahren werden. Kirche und Glauben wird erst da relevant für Jugendliche, wo sie als lebensnah und lebenspraktisch erfahren werden. Auch dies war eine der großen Erkenntnisse der Reformation. Nicht der Pfarrer lebt mir meinen Glauben vor, sondern ich darf und soll meinen Glauben selber leben.

Offenheit! – Wir sind eine Gemeinschaft, die im besten Fall von der bedingungslosen Gnade Gottes geprägt ist, wie Luther sie für sich als befreiendes Erlebnis erfahren hat. Für Jugendliche ist gerade dies am einprägsamsten. Eine Gemeinschaft in der jede und jeder willkommen ist und die geprägt ist von Respekt und Vertrauen.

All diese Erfahrungen wünschen sich auch die Jugendlichen, die ein Jugendfestival zum Reformationsjubiläum in Herchen an der Sieg vorbereiten. 400 Jugendliche aus den Gemeinden im Kirchenkreis werden sich  dort vom 15. bis 17. September 2017 unter dem Motto „Feel the beat“ zu einem Camp treffen. Sie wollen erleben, wie Kirche in Bewegung ist, sich verändert und werden sich fragen, was die Erkenntnisse der Reformation vor 500 Jahren für unsere Zukunft bedeuten.

Und hoffentlich wird dann mancher Gedanke dieses Festivals auch in die Gemeinden getragen. Die Jugend wird dann zum Impulsgeber für die Gemeinden. Damit wir als Kirche nicht in einem „das war doch schon immer so“ verharren, sondern selber unsere Glaubensgewissheiten zur Diskussion stellen und Traditionen in zeitgemäßen Sinne fortführen. Dann erleben wir in unseren Kirchen – dank ihrer Jugend – Reformation heute! Bitte schön!

Pfarrer David Bongartz, St. Augustin