Höchster Feiertag: Karfreitag vs. Ostern
Volker Konrad

Karfreitag oder Ostern – welches ist unser höchster Feiertag?

Immer wieder habe ich diese Frage gehört: Ist eigentlich  Karfreitag  oder  Ostern  der  höchste Feiertag?
Und nicht selten wurde sie etwa so beantwortet: Für die Katholiken ist es Ostern und  für  die  Evangelischen  Karfreitag.  Stimmt es, dass wir hier ökumenisch uneinig sind?

Tatsache  ist:  Die  christliche  Religion  hat ihren Ausgangspunkt in der Botschaft von der Auferstehung Jesu. Der Osterruf „Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!“ war  es,  mit  dem  in  jeder  Hinsicht  etwas „Neues“ begonnen hat. Deshalb feiern wir den Sonntag (und nicht den Sabbat) als geheiligten Tag. Jeder Sonntag ist ein „kleines Osterfest“.
Andererseits sagt Jesus im Johannesevangelium über seine Liebe zu den Menschen: „Niemand  hat  größere  Liebe  als  die,  dass  er  sein Leben lässt für seine Freunde.“ (Joh 15,13) In der lutherischen Theologie wurde die Hinwendung Gottes zu uns Menschen wiederentdeckt und  die  Opfertat  Jesu  ins  Zentrum  gestellt  – nicht zuletzt in Opposition zu den geforderten „Opfern“,  welche  die  damalige  Kirche  den Menschen abverlangte. Wenn es einen Tag im Jahr  gibt,  an  dem  diese  größte  Liebe  Gottes greifbar  wird,  dann  ist  es  der  Todestag  Jesu.
Gottes  ganze  Liebe,  Gottes  ganzer  Versöhnungswillen bündelt sich im Karfreitag.

2016 KarfreitagAlso was nun? Mein Studienfreund Volker Konrad  hat  die  Frage einmal  in  dieser  Grafik beantwortet:

Ja, der Karfreitag mit seiner Erinnerung
an das Sterben Jesu am Kreuz
ist unser höchster Feiertag.

Ja, Ostern, der Tag desneuen, ewigen Lebens
ist unser höchster Feiertag.

Sie  sind  es  gemeinsam  und  in  ihrer  Gegensätzlichkeit unzertrennlich.
Ohne  den  österlichen  Triumph  über  den Tod wäre das Sterben am Kreuz sinnlos. Ohne sich am Karfreitag schmerzhaft deutlich zu machen, was das Sterben bedeutet, wird die Auferstehung  keine  Befreiung.  Karfreitag  und Ostern gibt es nicht getrennt. Wir können das eine  nicht  ohne  das  andere  feiern.  Nur  gemeinsam sind sie der höchste Feiertag – und das übrigens in allen christlichen Konfessionen.
In verschiedenen Kirchen wird dies auch in der Liturgie, also in der Gestaltung der Gottesdienste deutlich: Sie feiern bewusst das „österliche Fest der heiligen drei Tage“. Dieses höchste  Fest  beginnt  am  Gründonnerstag  mit  der Eröffnung des Gottesdienstes – und zieht sich liturgisch  in  einer  Linie  von  gottesdienstlicher Feier zu gottesdienstlicher Feier, bis es am Ostermorgen in den Segen mündet.

Text: Niko Herzner
Grafik: Volker Konrad