Die evangelische Kirchengemeinde Hennef ist eine der jüngsten Gemeinden im Kirchenkreis ‚An Sieg und Rhein‘. Jung an Jahren sind also nicht nur viele der Gemeindeglieder, sondern die Gemeinde selbst, die Hennefer Christuskirche, das Gemeindezentrum, der Kindergarten und die Pfarrhäuser.
Selbstständig wurde unsere Kirchengemeinde am 1. April 1953. Bis dahin war sie eine Filialkirche der Siegburger Kirchengemeinde.

Doch schon lange vorher gab es Evangelische in Hennef. Zwar blieben alle Versuche einer lutherischen oder auch reformierten Gemeindebildung auf dem heutigen Hennefer Stadtgebiet während und nach der Reformationszeit langfristig erfolglos.
Doch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts – Hennef gehört nun, wie das gesamte Rheinland, zum Königreich Preußen – gibt es wieder Evangelische vor Ort. 1828 gab es in Hennef und Lauthausen insgesamt 33. Um am evangelischen Gottesdienst teilzunehmen, müssen sie weit laufen, denn sie sind Mitglieder der Kirchengemeinde Herchen.
Als in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts die Industrialisierung einsetzt, entstehen auch in Hennef Fabriken. Der Ort bekommt mit der Bröltalbahn einen Eisenbahnanschluss. In der Folge steigt die Zahl der Evangelischen im Jahr 1885 auf 156. Seit 1858 gehören sie zur Gemeinde Siegburg.

Die evangelische Kirche in Hennef nach ihrem Bau 1896.

Die evangelische Kirche in Hennef nach ihrem Bau 1896.

Eine Kirche für die wachsende Gemeinde
Aus diesem Grund fast die Gemeinde 1889 den Beschluss, eine evangelische Kirche in Hennef zu errichten. Dabei können Pfarrer Gottfried Wilhelm Siller und das Siegburger Presbyterium auf die Hilfe der evangelischen Industriellenfamilie Cockerill zurückgreifen, die 1883 Schloss Allner im gleichnamigen Hennefer Stadtteil, erworben hat.
Familie Cockerill schenkt 1891 einen Bauplatz in Geistingen und 2.000 Mark. Im folgenden Jahr wird ein Kirchenbauverein gegründet. Nachdem 1893 der Kölner Architekt Otto Wohl einen Bauplan erstellt hat und die Baugenehmigung erfolgt ist, feiert die Gemeinde am 1. Juli 1894 mit 400 Gästen die Grundsteinlegung.

Nach knapp zwei Baujahren wird am 21. Mai 1896 die Einweihung begangen. Kaiserin Auguste Viktoria schenkt eine handschriftlich signierte Altarbibel, die heute noch im Besitz der Kirchengemeinde ist. Die Kirche bietet 180 Sitzplätze für die damals in Hennef lebenden zwölf evangelischen Familien. 1907 ist ihre Zahl auf 267 gestiegen.

Großzügige Spender: Familie Cockerill
1925, sieben Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, erhält die Kirche Dank einer Spende der Familie Cockerill zwei weitere neue Glocken. Zehn Jahre später leben dann 414 Evangelische in Hennef. Die Hennefer werden in diesen Jahren von den Pfarrern Spickermann und Rehmann sowie ab 1940 von Hilfsprediger Degeller von Siegburg aus versorgt.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges steigt die Zahl der Gemeindeglieder durch Flüchtlinge aus dem ehemaligen Ostdeutschland und durch Zuzug in die neue Bundeshauptstadt Bonn deutlich an. Sechs Jahre nach Kriegsende gehören bereits 1984 Menschen zum Hennefer Gemeindebezirk. Bereits ein Jahr zuvor hat die Siegburger Muttergemeinde eine dritte Pfarrstelle für Hennef eingerichtet, die Pfarrer Friedrich Kempelmann übernimmt. Er bleibt in Hennef, als die Gemeinde 1953 selbstständig wird.

Einweihung der Glocken der Hennefer Christuskirche am 4. Mai 1964 - nach dem Neubau des Kirchturms.

Einweihung der Glocken der Hennefer Christuskirche am 4. Mai 1964 – nach dem Neubau des Kirchturms.

Im selben Jahr beginnt die Gemeinde mit dem Bau des Pfarr- und Gemeindehauses an der Dickstraße. Im Oktober 1955 werden dort beide Gebäude fertiggestellt und können eingeweiht werden.

Evangelische Schule in der Gartenstraße
Durch das Wachsen der Gemeinde wird es auch notwendig, eine evangelische Schule zu errichten. Dies geschieht 1947. Im September wurde der Schulbetrieb mit 110 Kindern in den Räumen der katholischen Volksschule in der Steinstraße aufgenommen. 1950 erfolgt der Umzug in einen Pavillonbau in der Gartenstraße. 1952 gibt es dann bereits vier Klassen und die Schülerzahl stieg weiter.
Dadurch bedingt wechselt der Ort der Schule öfter zwischen Stein- und Gartenstraße. Aufgrund der Schulreform 1968 wird aus der Volks- eine Grundschule. 1986/87 beschließen Stadt und Kirchengemeinden, sowohl die evangelische als auch die katholische Grundschule an der Gartenstraße in einer Gemeinschaftsgrundschule zusammenzuführen.

Zur Einweihung der umgebauten Christuskirche am 22. Juni 1969 waren u.a. erschienen: Architekt Rolf Romero (2.v.l.), Lucy Horstmann (Mitte) und Rainer C. Horstmann (2.v.r.), Presbyter u. Synodaler.

Zur Einweihung der umgebauten Christuskirche am 22. Juni 1969 waren u.a. erschienen: Architekt Rolf Romero (2.v.l.), Lucy Horstmann (Mitte) und Rainer C. Horstmann (2.v.r.), Presbyter u. Synodaler.

Erweiterungen der Kirche
Durch den Zuzug nach Hennef wächst auch die evangelische Kirchengemeinde weiter. So wird es notwendig, an eine Erweiterung der Kirche zu denken. 1961 hat die Evangelische Kirchengemeinde Hennef 4.720 Gemeindeglieder. Ein Gemeindezentrum wird geplant. Das Presbyterium stellt jetzt einen Bauantrag zum Neubau der Kirche. Ein Jahr später wird eine zweite Pfarrstelle eingerichtet und mit Gerd Piorr besetzt. Auch der Posaunenchor gründet sich. Die Gemeinde erhält bald die Baugenehmigung und beschließt die Kirche „Christuskirche“ zu nennen.

Im Januar 1964 ist es dann soweit: Erste Ergebnisse werden sichtbar. Der Glockenturm wird errichtet, der neue Eingangsbereich der Christuskirche fertiggestellt sowie an der Nordseite, an der Bonner Straße, der neue Gemeindesaal. Das Grundstück hat Familie Horstmann, Erben der Cockerills, zur Verfügung gestellt. Einweihung wird am Reformationstag gefeiert. Schon zuvor im April gibt es eine neue Glockenweihe: Die Christuskirche hatte jetzt vier Glocken. Auch die Vierte wird von Familie Horstmann finanziert.

1965 wird der ev. Kindergarten neben der Kirche fertig. 1968 beginnen die Bauarbeiten für die Erweiterung des Kirchenschiffs nach Osten und Süden. Der Innenraum erhält eine neue Ausstattung u.a. mit Jerusalemleuchter und Taufbecken und bietet jetzt Platz für 450 Kirchenbesucher. Die offizielle Eröffnung ist  am 22. Juni 1969. Zur Gemeinde zählten 5.110 Glieder.

Umbauarbeiten am Gemeindezentrum der Christuskirche 1993

Umbauarbeiten am Gemeindezentrum der Christuskirche 1993

Eine dritte Pfarrstelle wird 1980 zur Versorgung der Kreisberufsschule in Hennef eingerichtet. Bis 1994 hatte sie Heinz Weineck inne. Danach wird diese Funktionsstelle dem Kirchenkreis zugeordnet. Dennoch gibt es weiterhin eine dritte Pfarrstelle, die 1996 mit Claus-Jörg Richter besetzt wird. Im selben Jahr feierte die Christuskirche ihr 100jähriges Jubiläum. Die Gemeinde hat jetzt 7.700 Mitglieder. Gemeinsam mit der Gemeinde feiert der Kirchenchor. Auch er wird 100 Jahre alt.

Die Hennefer Christuskirche 2012

Die Hennefer Christuskirche 2012

Ein neuer Kirchenvorplatz wird 2013 eingeweiht. Zur Evangelischen Kirchengemeinde in Hennef zählen jetzt 8.700 Menschen. Schon zuvor ist das Gemeindezentrum erweitert worden. Neue Gemeinderäume entstehen auf dem Gelände des Kindergartens. Dieser zieht in ein neues Gebäude an der Kurhausstraße.
2016 feiert die Gemeinde 120 Jahre Christuskirche. Seit ihrer Selbstständigkeit gab es 17 Pfarrstelleninhaber. Heute ist die Gemeinde in vier Pfarrbezirke unterteilt, das Pfarrerteam besteht aus zwei Frauen und zwei Männern.

Text: Martin Heiermann, Archivpfleger