Gottes Ja in der Stille hören
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Seit rund zwei Jahren bietet Marina Schoneberg einmal im Monat einen Meditationskreis an. Dieses offene Angebot hat das meditative Herzensgebet abgelöst, das Hannelore Müsse viele Jahre lang anleitete. Was macht diese stillen Abende aus und was passiert während der Meditation? Mit Marina Schoneberg sprach Petra Biesenthal.

Frau Schoneberg, gibt es einen bestimmten Ablauf, der sich bei jedem Meditationskreis wiederholt?
Wir treffen uns gegen 19 Uhr zunächst in einem separaten Raum und haben die Möglichkeit, in Ruhe anzukommen und über das zu sprechen, was uns aktuell bewegt und vor der Stille gesagt werden möchte. Der eigentliche Meditationsraum ist dann schon vorbereitet und alle haben ihren Platz eingerichtet.

Wie lange dauert dieses Ankommen und wann geht es so richtig los mit der Meditation?
Gegen 19:30 Uhr wechseln wir in den abgedunkelten Paulus-Saal, in dem Kerzen brennen und dezentes Licht eingeschaltet ist. Alle nehmen ihren Platz ein und nach einem Eingangsgebet beginnen wir mit einer Körperarbeit aus Elementen des Feldenkrais. Körperarbeit ist keine Gymnastik – eher eine Entdeckungsreise durch den Körper. Im Anschluss singen wir ein Lied aus Taizé, hören einen kurzen Impuls und beginnen dann mit dem ersten “Sitzen in Stille”. 20 Minuten Ruhe, in denen ich mit mir bin und Zeit für Gott habe. Wir sitzen auf Meditationsbänkchen, Kissen oder auf Stühlen. Die Meditation endet mit dem Ton einer Klangschale und wir gehen dann rund zwei Minuten schnell durch den Raum. Danach wiederholt sich der Ablauf und wir sitzen ein zweites Mal in Stille. Der Meditationskreis endet mit einer Gebärde und einem Abschlussgebet.

Der Ablauf scheint präzise geplant und durchgeführt zu werden. Entsteht da nicht der Wunsch, aus dieser engen Vorgabe auszubrechen?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Rituale Halt geben. Menschen brauchen gerade in bewegenden Jahren Verlässlichkeit und Stabilität. Der Geist will immer etwas Neues, die Seele will immer dasselbe. Der Meditationskreis mit seiner klaren Struktur ist da ein Angebot. Wichtig ist mir etwa, dass sich die beiden Lieder aus Taizé bei jedem Treffen wiederholen. Die gesprochenen Impulse werden individuell ausgesucht, der Gesang bleibt.

Worin unterscheidet sich Ihr Angebot von anderen Meditationstreffen?
Der Meditationskreis ist christlich geprägt. Die ausgesuchten Texte und auch die Anleitung für die Meditation entstammen christlichen Quellen und laden ein, Gott an diesem Abend nahe zu sein. Gleichzeitig sind wir offen für Menschen aller Konfessionen.

Wie bereiten sich die Teilnehmenden auf den Meditationskreis vor? Was ist mitzubringen?
Um in Ruhe sitzen und sich gut bewegen zu können, ist bequeme und gleichzeitig wärmende Kleidung hilfreich. Dicke Socken, ggf. rutschfest, und eine gemütliche Decke sind wichtig. Jede der aktuell 8-13 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereitet sich individuell auf den Abend vor. Manche kommen direkt aus einem vollen, arbeitsreichen Tag und genießen dann die Möglichkeit, zu verlangsamen und innezuhalten.

Wo finden Interessierte die Termine der Meditationsabende?
Der Meditationskreis findet grundsätzlich an jedem zweiten Dienstag im Monat statt, außer in den Monaten August und Dezember. Die Termine stehen sowohl im Kurier als auch auf unserer Homepage. Die nächsten Termine sind am 8. Januar und am 12. Februar. Sollten Sie sich für eine Teilnahme am Meditationskreis interessieren, dann rufen Sie mich bitte vorher kurz an, damit wir über Ihre persönlichen Möglichkeiten zur Teilnahme an den Übungen sprechen können.

Ist es schon einmal vorgekommen, dass jemand nach dem Meditationskreis Gesprächsbedarf geäußert hat?
Die Stille löst bei manchen Gedanken und Gefühle aus, die sie selbst überraschen und zu denen ein Austausch hilfreich sein kann. Begleitend zu den Meditationsabenden biete ich seelsorgerische Einzelgespräche an. In unserer Gemeinde gibt es insgesamt vier Geistliche Begleiterinnen, die darin ausgebildet sind, die individuelle Gotteserfahrung zu stärken.

Frau Schoneberg, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.