Gemeinde beriet Defizit und Trägerwechsel
Ulli Grünewald

Bei der diesjährigen Gemeindeversammlung am zweiten Märzsonntag waren es nicht allzu viele Punkte, die die Tagesordnung füllten. Darunter waren aber einige wesentliche, die nennenswerte Änderungen mit sich bringen.

Einmal jährlich informiert das Presbyterium über Finanzen, Planungen und Veränderungen. Nach Pfarrerin Annekathrin Bieling, die zu Beginn etwa 80 Gemeindemitglieder in der Christuskirche begrüßte, war es Hans-Georg Schoneberg, der Abschlüsse, Jahresplanung und neue Konzepte zur Entlastung der Haus-haltssituation skizzierte. Der Jahresabschluss 2014 sei als erster vollständig gemäß den Richtlinien des Neuen Kirchlichen Finanzwesens (NKF) von einem Wirtschaftsprüfer geprüft und schließe mit einem Überschuss ab. Der Finanzkirchmeister hoffte, dass sich die Prüfung weiterer Jahresabschlüsse zeitnah umsetzen lasse. Ein aktueller Überblick über Einnahmen und Ausgaben sei aber gewährleistet.

Haushalt 2019 weist erstmals Defizit aus
Die Jahresplanung 2019 war im Februar abgeschlossen worden. Bei einem Gesamtvolumen von 2,2 Mio. Euro weise der Haushaltsplan für das aktuelle Jahr allerdings ein Defizit von 88.000 Euro auf. Im Laufe der letzten 20 Jahre sei dies noch nicht vorgekommen, erklärte Finanzkirchmeister Schoneberg. Als wesentliche Ursachen nannte Schoneberg verringerte Einnahmen aus Kirchensteuern, erhöhte Personalkosten durch normale Tarifanpassungen sowie zusätzliches Personal für die Kita „Regenbogen“ und den Wegfall der Sonderzuweisung des Landes für die Kita. Eine noch nicht beschlossene Zahlung dieser Sonderzuweisung in Höhe von vermutlich 36.000 Euro würde das Defizit auf rund 50.000 Euro verringern. Falls die Kirchengemeinde zukünftig nicht aktiv dagegen steuerte, sei jedoch auch in kommenden Jahren mit einem Haushaltsdefizit zu rechnen, gab Schoneberg zu bedenken.
Eine Arbeitsgruppe des Presbyteriums recherchiere bereits kurzfristige wie mittelfristige Einsparungsmög-lichkeiten sowie anderweitige Finanzierungsquellen. Auch will der Gemeindevorstand größere Investitio-nen strecken, Ausgaben maßvoll gestalten und finanziell nachhaltige Konzepte erarbeiten.

Beim Trägerwechsel bleibt Gemeinde in Verantwortung
Über die anstehenden Veränderungen hinsichtlich der Evangelischen Kita „Regenbogen“ informierte Pfarrer Dr. Stefan Heinemann. Er betonte, dass mit dem Wechsel zum KiTa-Referat des Kirchenkreises ‚An Sieg und Rhein‘ kein Trägerwechsel im klassischen Sinne angestrebt werde. Viele der noch 18 im Kirchen-kreis an Sieg und Rhein befindlichen Kindertagesstätten klagten seit Jahren vor allem über zu hohe Belas-tungen fachlicher Art. Die Bewältigung der Zunahme bürokratischer Anforderungen und Vorschriften, tagesaktueller Personalstandsmeldungen im Krankheitsfall sowie umfangreicher Dokumentationen sei für viele Kitas sowie ihren Träger kaum mehr zu leisten, erklärte Heinemann. Um die betroffenen Kitas in evangelischer Trägerschaft belassen zu können, wurde daher nach einer Dachstruktur in der Region gesucht und mit der Einrichtung des „Kita-Referats“ im Siegburger Verwaltungsamt gefunden.
Für die Gemeinde Hennef bedeute dies weiterhin die finanzielle Verantwortung für die Kita, ebenso wie Grundstück und Gebäude in ihrem Eigentum verbleiben. Die religionspädagogischen Angebote bleiben von der Strukturveränderung unberührt, das Kita-Team bleibt Teil der Mitarbeiterschaft und auch nach außen hin bleibt die Kita Bestandteil der Kirchengemeinde. Wichtig sei ebenfalls gewesen, dass diese strukturelle Veränderung jederzeit umkehrbar sei. Insbesondere Personalentscheidungen lägen aber zukünftig in der Verantwortung des Kita-Referates – auch weil dieses zukünftig für die wirtschaftliche Rentabilität verantwortlich sei. „Leger ausgedrückt leihen wir die Kita quasi an den Kirchenkreis aus, damit sie dort zukünftig kompetent und qualitativ fundiert geführt wird“, fasste Heinemann diesen nominellen Trägerwechsel zusammen.
Finanziell bedeutet der Wechsel zum Kita-Referat zunächst Mehrkosten, da sich dort eine Vollzeitkraft ausschließlich um die fachlichen Belange der zugehörigen Kitas kümmert. Je mehr Kitas allerdings dazukämen, desto geringer wären die Kosten für die einzelnen Gemeinden, da diese auf alle beteiligten Gemeinden umgelegt werden. Auf der anderen Seite bedeute das Kita-Referat eine große Entlastung des Gemeindebüros, der ehrenamtlichen Presbyter und des Pfarrteams.

Unmut über 0% freiwillige Fürderbeiträge
Dass die evangelische Kita aufgrund finanzieller Probleme vor der Schließung stünde, wie es zuletzt in der Presse zu lesen war, sei nicht der Fall, betonte Pfarrer Heinemann. Allerdings sei die finanzielle Situation angespannt. Denn die Refinanzierung der Kitas kirchlicher Träger werde nur zu 88% durch verpflichtende Zuschüsse nach dem Kinderbildungsgesetz (KiBiz) gewährleistet. Im Vergleich dazu sind es bei Elterninitiativen 96%. Auf großen Unmut stieß dann bei der Gemeinde der Beschluss zur freiwilligen Förderung von Kitas durch den Hennefer Stadtrat 2012, nach dem Elterninitiativen mit 4% sowie sonstige Träger oder Fördervereine als Träger mit 8% bzw. 8,5% unterstützt werden – sie sind damit zu 99% bzw. 100% refinanziert. Kitas kirchlicher Träger dagegen erhalten keinerlei freiwillige Förderung durch die Stadt Hennef. In benachbarten Kommunen wie Siegburg, Sankt Augustin, Neunkirchen-Seelscheid sowie Aegidienberg erhalten kirchliche Träger dagegen 6%-12% freiwillige Förderzuschüsse, erklärte Heinemann. Für die Evangelische Kirchengemeinde Hennef bedeuten 12% Trägeranteil eine jährliche Mehrausgabe von rund 75.000 Euro. Diese Ungleichbehandlung sei mittelfristig nicht akzeptabel und kaum mehr tragbar. Die Kirchengemeinde sei allerdings in Gesprächen mit der Stadt Hennef über eine zukünftig mögliche Unterstützung. Mit einer Schließung der vier-gruppigen Kita „Regenbogen“ sei keinem gedient, zumal bis 2024 noch zusätzliche 240 Kita-Plätze in der Stadt Hennef benötigt werden, so Heinemann.

Gebäudestrukturanalyse: In gutem Zustand
Baukirchmeisterin Silvia zur Nieden gab im Anschluss einen Einblick in die 2018 durchgeführte, externe Gebäudestrukturanalyse. Grundsätzlich wurden die Immobilien positiv bewertet. Erforderliche Sanierungsmaßnahmen ließen sich mit überschaubaren Mitteln vornehmen. Sobald der Neubau der Kita Garten-straße abgeschlossen sei und die Kinder aus der Container-Kita umziehen könnten, solle Anfang 2020 der Rückbau des Außengeländes am Kinder- und Jugendhaus ‚klecks‘ in der Deichstraße erfolgen, informierte zur Nieden weiter.

Des weiteren sei eine neue Konzeption zur Kinder- und Jugendarbeit unter Berücksichtigung heutiger Schulalltage in Vorbereitung, erklärte Pfarrerin Bieling. Im Arbeitsbereich Kirchenmusik waren ältere Klaviere durch zwei gemietete Flügel ersetzt worden. Zur Abendmahlpraxis gab Pfarrerin Antje Bertenrath die Erfahrungen während einer Probephase im vergangenen Jahr wieder. Auf Wunsch zahlreicher Gemeindemitglieder war seit Advent 2017 beim Abendmahl jeweils Wein und Saft angeboten worden. Diese Praxis hat sich insofern hat sich bewährt, als dass zukünftig in allen Gottesdiensten in der ersten Runde Saft, ab der zweiten Runde Wein ausgeschenkt werden soll. Ob man die Oblate eintauche oder direkt aus dem Kelch trinke, sei dann jedem selbst überlassen.

Mit Gebet und Segen verabschiedet wurde bei dieser Gemeindeversammlung Olaf Winkelhake, der viele Jahre lang aktiv im Presbyterium tätig war und Ende 2018 sein Amt niedergelegt hatte.

Text & Fotos: Ulli Grünewald