Gang des Gedenkens

Am 10. November lud der Ökumenekreis Hennef dazu ein, in einer Feierstunde und einem anschließenden Gang des Gedenkens der Hennefer Opfer des Holocaust zu Gedenken.
Am 10. November 1938 wurde die Geistinger Synagoge in Brand gesteckt und in der Folge unsere jüdischen Mitbürger deportiert oder vertrieben. Die meisten überlebten den Holcaust nicht. Mit dem jährlichen Gang des Gedenkens hält der Ökumenekreis Hennef die Erinnerung an diese Geschehnisse wach.

Gang des Gedenkens 2015-2In seiner Begrüßung ging Pfarrer Niko Herzner auf die Errichtung der Synagogengedenkstätte an der Bergstrasse ein: „Dieses Gotteshaus ist in seinen Grundmauern noch da! Es hat sichtbar seinen Platz. Und mit Ihm die Namen der Menschen, die sich dort trafen, um auf Gottes Wort zu hören und zu beten.“ Weiter forderte er, die Erinnerung solle uns in der Verantwortung für Gegenwart und Zukunft mahnen. Eine Verantwortung, die auch im Blick auf die gegenwärtige politische Situation Bedeutung habe.
Provozierend stellte er dazu einen Gedanken in den Raum, den ihm gegenüber ein Gemeindeglied geäußert hatte: „Die Leute fragen, wie dieses Land eine Million Flüchtlinge aufnehmen sollen – und in den gleichen Tagen denken wir daran, dass dieses Land 6 Millionen Juden ermorden konnte.“

 
Ein literarisches Gesicht gaben der Erinnerung in diesem Jahr Auszüge aus dem Buch „weiter leben“ von Ruth Klüger. Helga Haas und Volker Ohme hatten sich mit diesem Buch einer Holocaustüberlebenden auf den diesjährigen Gang des Gedenkens vorbereitet. Nach einer Einführung in das Leben von Ruth Klüger trugen sie ausdrucksstarke Passagen über die Ambivalenzen in der Erfahrung des Holocaust vor, begleitet von gefühlvoller Musik auf Klavier (Dominic Paszkiet) und Klarinette (Alexander Bertling).
Eben diese schwer zu ertragenden Gedanken legte Irmgard Klein in das Fürbittengebet. Im Ausblick auf den folgenden Gang des Gedenkens rief Pfarrer Christoph Jansen dazu auf, das Gedenken fortzuführen – auch mit weiteren „Stolpersteinen“, für welche an diesem Abend eine Kollekte eingesammelt wurde.

Mit Kerzen als Hoffnungszeichen zogen die rund 100 TeilnehmerInnen, unter Ihnen auch einige Vertreter der Stadt Hennef, schweigend zur Gedenkstätte der Synagoge. Dort, am Ort der jüdischen Gemeinde, beteten sie mit Roman Kovar das Kaddish, das jüdische Totengebet. Im Anschluss an den Segen, den Kovar und Herzner gemeinsam auf hebräisch und deutsch sprachen, stellten sie die Kerzen auf die Grundmauern der Synagoge.