Fremdes & Nachdenkliches aus Ecuador
Lea Waidelich

Im Rahmen des weltwärts-Programms lebt Lea Waidelich seit August im Süden Ecuadors. Mit einer weiteren Freiwilligen wohnt sie dort in einer Gastfamilie in einem kleinen Dorf inmitten der Berge. In der Dorfgrundschule gibt sie Sportunterricht und unterstützt in anderen Unterrichtsfächern. Hier berich-tet sie von den Erfahrungen der ersten Monate.

Jeden Tag begegne ich Neuem. In meinem Projekt sammle ich viele Erfahrungen mit Kindern, durch meine Gastfamilie lerne ich Menschen aus Ecuador und Venezuela kennen – ganz zu schweigen von dem Klima und der Natur, dem Essen und der Sprache. So viele Einflüsse strömen auf mich ein und ich genieße es, Ecuador und seine Vielfalt zu entdecken.

Glauben im Süden Ecuadors
Im Alltag merke ich, dass der Katholizismus in Ecuador sehr verbreitet ist. Die Messen der Kirche hier beschallen immer das ganze Dorf und meine Mitfreiwillige erzählt mir von Traditionen in der katholischen Dorfgrundschule. Außerdem ist die gesamte Region der Provinz Loja von dem Marienbild „Virgen de El Cisne“ geprägt. Viele Hotels oder Restaurants tragen ihren Namen. Bilder von der Heiligen im Wohnzimmer oder im Taxi sieht man oft.
Die Originalfigur wird jeden August von ihrem Heimatdorf „El Cisne“ in die Provinzhauptstadt getragen und im November zurücktransportiert. Dieser Weg wird, abgesehen von den vielen pilgernden Menschen, von Festlichkeiten, Kirmes und Castillos – einer Art Feuerwerk – begleitet. Wenn die Figur im November eine Nacht in unser Dorf kommt, werden die Pilger draußen im Park übernachten, um dabei zu sein.

“Woran glaubt ihr Protestanten?”
… fragen mich Leute, wenn die Sprache auf meine Religion kommt. Es gibt hier evangelisch getaufte Menschen, jedoch sind sie in der Minderheit. Man kann diese Frage – so wie viele andere, die ich ge-stellt bekomme – nicht mit einem Satz beantworten. Die Menschen interessieren sich für die Bildung, Krankenversicherung, allgemeine Politik und vieles mehr. Bei diesen großen Themen muss ich erstmal innehalten und selbst nachdenken.
Neben dem Interesse an meinem Land stoße ich manchmal auf Vorurteile, die mich zum Nachdenken bringen. So wollte mir ein Mann aus dem Dorf, in dem ich lebe, vor kurzem seine Gitarre verkaufen, mit den Worten, in Deutschland habe man doch Geld. Er hat mich mit seinen Worten sehr überrascht. Nachdem ich ihm erklärte, ich sei eine Jugendliche ohne Einkommen und habe eigentlich kein Interesse an der Gitarre, war er verdutzt. Es ist spannend und schwer zugleich sich mit dem sensiblen Thema der verschiedenen Kulturen auseinanderzusetzen. Fest steht: Viele Menschen hier interessieren sich für das Leben außerhalb ihrer alltäglichen Sichtweise. Und darüber freue ich mich sehr.

Ich bin froh, dass wir in unserem Vorbereitungsseminar so intensiv auf diese vielseitigen Themen vorbereitet wurden. Das macht es mir leichter, auf die Fragen zu antworten. Durch die Gespräche lerne ich nicht nur ganz viel über das Leben und die bestehenden Werte hier in Ecuador, sondern reflektiere auch die Erfahrungen, die ich vorher in Hennef gemacht habe.
Darum bin ich auch dem Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde dankbar für die finanzielle Unterstützung meines Förderkreises!
Mehr über meinen Freiwilligendienst ist nachzulesen auf „leaecuador.wordpress.com“. Viele Grüße und ¡Hasta luego!