… dem Charme nachspüren
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Liebe Gemeinde,

die Sommermonate liegen vor uns, viele werden auf Reisen gehen. Manche reisen vielleicht an Orte, an denen sie noch nie waren: sie finden es spannend, Neues zu entdecken und den eigenen Horizont zu erweitern. Andere fahren vielleicht zum wiederholten Mal an ein und denselben Urlaubsort, weil sie sich dort einfach wohlfühlen und sie schon wissen, dass sie dort die Seele baumeln lassen können.
An beiden Orten aber ist es anregend und wohltuend, sich fremde Kirchen anzuschauen. Ich denke da etwa an eine Kapelle auf einem Gipfel, die einen das Staunen über die Schöpfung nicht vergessen lässt; oder an eine Kirche inmitten städtischen Trubels, die zu einer Oase der Ruhe wird; oder an eine Kirche, die ein kunsthistorisches Kleinod ist und die einen anderen Zeiten und Kulturen nachspüren lässt.

Welche Kirche auch immer Sie in der weiten Welt besuchen: Sie werden sowohl ihren ganz eigenen Charme spüren als auch die vielen Punkte, die uns als Christen verbinden. Das wiederum ist etwas, was mich fasziniert und an die Strophen eines ursprünglich englischen Liedes von John Ellerton denken lässt:
“Denn unermüdlich wie der Schimmer des Morgens um die Erde geht, ist immer ein Gebet und immer ein Loblied wach, das vor dir steht. Die Sonne, die uns sinkt, bringt drüben den Menschen überm Meer das Licht; und immer wird ein Mund sich üben, der Dank für deine Taten spricht.” (dt. Text: Gerhard Valentin)

Zu jeder Zeit wird Gottes Namen gelobt
Egal, wo ich bin und egal zu welcher Tages- und Nachtzeit: Ich kann mir sicher sein, dass ich im Gebet mit anderen Christen in einer Gemeinschaft stehe und dass zu jeder Zeit Gottes Name gelobt wird. Und ich möchte ergänzen: dass zu jeder Zeit Dank und Segen gesprochen und gesungen werden – in vielen Sprachen, in der Vielfalt der Konfessionen, an vielen kirchlichen Orten. Während ich selbst mich in der Nacht ausruhe und schlafen lege, werden andernorts Menschen wach sein, die die Welt ins Gebet nehmen und Gott das Lob singen.
Für mich persönlich ist das unheimlich stärkend und begeisternd: zu wissen, dass da jederzeit Menschen sind, die im Gebet mit mir verbunden sind. Menschen, die genauso wie ich das Vaterunser sprechen und für unsere Welt beten. Bei aller Vielfalt ist diese Verbundenheit für mich eine große Stärke der weltweiten Ökumene. Und wenn es dann noch gelingt, miteinander darüber ins Gespräch zu kommen, was uns als Christen am Herzen liegt, dann kann daraus viel wachsen. Denn dann nehmen wir einander noch einmal ganz anders wahr und spüren, wie wir über Grenzen hinweg als Gemeinschaft unterwegs sind.

Andernorts Kirchen erkunden
So möchte ich sie ermutigen und neugierig machen, in diesem Sommer andernorts Kirchen zu erkunden und ihrem Charme nachzuspüren. Nehmen Sie sich dort einen Moment Zeit, um inne zu halten und zu beten. Und vielleicht ergibt sich ja auch ein Gespräch mit den Menschen vor Ort oder die Gelegenheit zu einer gemeinsamen Andacht oder einem Gottesdienst. Und falls Sie gerade keine großen Reisepläne haben, dann besuchen Sie doch einfach eine der Kirchen hier in der Region und entdecken Sie die Vielfalt, die wir direkt in unserer Nachbarschaft haben.
Welche Pläne auch immer Sie für den Sommer haben: Ich wünsche Ihnen dafür Gottes Segen und dass sein Geist für Sie spürbar ist. Und ich lade Sie ein, immer wieder die Gelegenheit zu nutzen, gemeinsam das Vaterunser zu beten und sich damit mit anderen Christen in eine Gemeinschaft zu stellen – welche Sprache sie auch sprechen mögen.

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
(Matthäusevangelium 6, 9-13)

Ihre Pfarrerin Annekathrin Bieling